PelviChair

Beckenbodentraining mit dem PelviChair

Beckenbodentraining für Bestandspatienten in unserer Praxis

Der Beckenboden wird häufig erst dann zum Thema, wenn er Beschwerden macht – obwohl er als zentrale Muskelgruppe Haltung, Kontinenz und Wohlbefinden mitprägt. In unserer täglichen Arbeit erleben wir immer wieder, wie viele Frauen und Männer in diesem Bereich Unsicherheiten oder Beschwerden haben und sich nicht trauen, sie anzusprechen.

Um dieses Thema offen aufnehmen und unser Behandlungsspektrum sinnvoll erweitern zu können, haben wir den EMS PelviChair in unsere Praxis in Esslingen integriert – einen sogenannten Beckenbodenstuhl, an dem das Training vollständig bekleidet und im Sitzen stattfindet. Wir bieten die Anwendung vorerst ausschließlich unseren Bestandspatientinnen und -patienten als Ergänzung zu ihrer bestehenden Behandlung an.

PelviChair

Der PelviChair arbeitet mit einer Technologie, die in der wissenschaftlichen Literatur als HIFEM (High-Intensity Focused Electromagnetic Therapy) bezeichnet wird. Vereinfacht erklärt: In der Sitzfläche befindet sich eine Spule, die ein gezieltes, hochintensives elektromagnetisches Feld erzeugt. Dieses Feld soll die motorischen Nervenfasern im Beckenboden ansprechen und dadurch wiederholte Muskelkontraktionen auslösen, die mit willkürlich ausgeführten Beckenbodenübungen allein nur schwer zu erreichen sind [1].

Während einer regulären Sitzung von rund 30 Minuten finden so mehrere tausend Muskelkontraktionen statt. Ziel ist dabei nicht das „kurzfristige Anspannen“, sondern eine verbesserte neuromuskuläre Ansteuerung – also ein besseres Zusammenspiel von Nerv und Muskel, das nach heutigem Verständnis die Grundlage für eine Funktionsverbesserung des Beckenbodens bildet.

Wobei kann der PelviChair unterstützen?

Beckenbodentraining gilt nach den Empfehlungen eines umfassenden Cochrane-Reviews als sinnvolle, konservative Erstmaßnahme bei Harninkontinenz der Frau [2]. Der PelviChair kann ein klassisches Beckenbodentraining nicht ersetzen, sondern es ergänzen – insbesondere dann, wenn die eigene Wahrnehmung für den Beckenboden noch schwach ausgeprägt ist oder das selbstständige Üben schwerfällt.

Eine Behandlungsserie kann in folgenden Situationen unterstützen:
– Belastungsinkontinenz (Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen, beim Sport)
– Drang- und Mischinkontinenz (häufiger, schwer aufschiebbarer Harndrang)
– Schwächegefühl im Beckenboden nach Schwangerschaft und Geburt (frühestens 8 Wochen nach der Geburt, nach Rücksprache)
– Beckenbodenbeschwerden beim Mann – etwa nach Prostataoperationen. Die Anwendung richtet sich dabei ausschließlich auf die Linderung des Inkontinenz-Symptoms und ersetzt nicht die ärztliche, insbesondere urologische Nachsorge, die unverändert fortgeführt werden sollte.
– Verbesserung der Körperwahrnehmung im Bereich des Beckens
Begleitend zu osteopathischer und chiropraktischer Behandlung bei Beschwerden im Becken-, Hüft- und unteren Rückenbereich.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Studienlage zu HIFEM beim Beckenboden ist wachsend und überwiegend positiv, beruht jedoch bislang überwiegend auf kleineren Untersuchungen. Wir geben Ihnen hier einen Überblick, was die bisherige Forschung berichtet – und was sie noch nicht abschließend zeigen kann. Die Untersuchungen beziehen sich dabei auf die HIFEM-Technologie, die in verschiedenen Geräten zum Einsatz kommt, und nicht speziell auf den PelviChair (hierzu mehr am Seitenende).

Frauen mit Harninkontinenz
In einer Studie an 57 Frauen erhielten die Teilnehmerinnen sechs HIFEM-Sitzungen über drei Wochen. Die Studie berichtete eine deutliche Verbesserung von Lebensqualität und Symptomen, die berichteten Effekte blieben auch nach drei Monaten bestehen [3].
Eine weitere Untersuchung an 75 Patientinnen und Patienten mit Belastungs-, Drang- und Mischinkontinenz berichtete ebenfalls Verbesserungen bei Symptomen und Vorlagengebrauch [1].

Vergleich mit klassischem Beckenbodentraining
In einer einzelnen Studie wurde die Behandlung mit einem HIFEM-Beckenbodenstuhl mit Beckenbodenübungen verglichen; dort zeigte die HIFEM-Gruppe bei mehreren Messwerten eine stärkere Verbesserung als die Übungsgruppe [5]. Es handelt sich um ein Einzelergebnis, aus dem sich keine allgemeine Überlegenheit ableiten lässt. Wichtig ist uns: Das spricht nicht gegen eigenständiges Üben, sondern dafür, dass elektromagnetische Stimulation die Wahrnehmung und die Ansteuerung der Muskulatur unterstützen kann.

Männer nach Prostataoperationen
In einer Studie an 27 Männern mit anhaltender Harninkontinenz nach Prostatektomie wurde eine deutliche Verbesserung der Symptome berichtet [6]. Eine kleinere Studie an älteren Männern hatte zuvor vergleichbare Verbesserungen bei Vorlagengebrauch und Lebensqualität dokumentiert [7].

Was die Studien nicht sagen
Die meisten Untersuchungen haben nur wenige Teilnehmer. Große, kontrollierte Untersuchungen, die auch die Langzeitwirkung betrachten, fehlen bisher. Deshalb ist offen, wie lange die Effekte ohne Erhaltungstraining anhalten, und ein individueller Behandlungserfolg lässt sich daraus nicht ableiten. Wir kommunizieren das bewusst transparent, weil wir die Technik als sinnvolle Ergänzung zu unserer Behandlung und einem gezielten Training erachten – HIFEM ist kein Allheilmittel, sondern eine sinnvolle und interessante Ergänzung mit nach bisherigen Untersuchungen guter Verträglichkeit.

Ablauf einer Behandlung

Sie kommen bekleidet zur Sitzung – idealerweise in lockerer, dehnbarer Kleidung.

Vor der ersten Anwendung füllen Sie einen kurzen Anamnesebogen aus und besprechen mit uns die Eignung.

Die eigentliche Anwendung findet im Sitzen auf dem PelviChair statt und dauert rund 30 Minuten. Während der Therapie spüren Sie rhythmische Kontraktionen unterschiedlicher Stärke im Bereich des Beckenbodens. Wir können die Intensität der Kontraktionen individuell einstellen und langsam steigern. Sie können die Behandlung jederzeit unterbrechen oder beenden.

Wir empfehlen ein bis zwei Sitzungen pro Woche. In Studien und in unserer Erfahrung wurden Veränderungen häufig nach etwa sechs bis acht Behandlungen berichtet; ein Erfolg im Einzelfall kann jedoch nicht zugesagt werden. Stellt sich eine Verbesserung ein, kann ein gelegentliches Erhaltungstraining – etwa einmal monatlich – sinnvoll sein, vergleichbar mit regelmäßigem Sport.

Wann der PelviChair nicht eingesetzt werden darf

Wie jede medizinisch-technische Anwendung hat auch HIFEM klare Ausschlusskriterien. Wir verzichten in folgenden Fällen auf eine Behandlung beziehungsweise klären sie vorab mit Ihrem behandelnden Arzt ab:

– Schwangerschaft
– Herzschrittmacher oder andere implantierte elektronische Geräte
– Metallimplantate im Behandlungsareal (einschließlich Spirale und Piercings, je nach Material)
– Schwere Herzrhythmusstörungen, kurz zurückliegender Herzinfarkt, Stents oder Bypass (unter 6 Monaten)
– Epilepsie
– Aktive bösartige Erkrankungen
– Akute Infektionen oder Fieber
– Frische Operationen im Beckenbereich – wir warten grundsätzlich mindestens acht Wochen nach Geburt oder Operation
– Blutungsstörungen / Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten (Rücksprache erforderlich)

Eine vollständige Anamnese und schriftliche Einverständniserklärung sind vor der ersten Sitzung obligatorisch.

Kennenlernen & Kosten

Bevor eine Anwendung beginnt, nehmen wir uns Zeit für ein persönliches Gespräch. Da wir das Angebot unseren Bestandspatientinnen und -patienten machen, kennen wir Ihre Vorgeschichte bereits und prüfen vorab, ob die Methode für Sie geeignet ist. Im Gespräch gehen wir Ihre Fragen durch und klären offene Punkte.

Im Anschluss bitten wir Sie, unseren Anamnese- und Aufklärungsbogen auszufüllen und zu unterschreiben. Liegt dieser vor und spricht nichts gegen eine Anwendung, bieten wir Ihnen eine erste Probesitzung an, bei der Sie kennenlernen können, wie sich die Behandlung anfühlt. Sie erfolgt im Sitzen, bekleidet, mit zunächst reduzierter Intensität und kann jederzeit beendet werden. Diese erste Probesitzung ist für Sie kostenfrei.

Kosten reguläre Sitzung: 40 € (Einzelsitzung, Dauer ca. 30 Minuten).

Eine Teilerstattung durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen ist im Einzelfall möglich, aber nicht garantiert. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Die Anwendung stellt keine ärztliche Therapie dar; sie kann eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Maßnahmen sein.

Häufige Fragen (FAQ)

Spüre ich die Behandlung?
Ja – Sie spüren rhythmische Kontraktionen Ihrer Beckenbodenmuskulatur, ähnlich wie bei sehr intensiv ausgeführten Kegelübungen. Schmerzhaft soll und darf es nicht sein.

Muss ich mich ausziehen?
Nein. Die Behandlung erfolgt vollständig bekleidet. Achten Sie auf lockere Kleidung.

Wie viele Sitzungen brauche ich?
In Studien und in unserer Erfahrung wurden Veränderungen häufig nach sechs bis acht Sitzungen im Abstand von zwei bis sieben Tagen berichtet; eine Zusage für den Einzelfall ist damit nicht verbunden. Anschließend ist eine Erhaltungssitzung pro Monat möglich.

Kann ich nach der Behandlung sofort wieder Sport machen?
Ja. Es kann vereinzelt zu einem leichten „Muskelkater“ im Beckenboden kommen, der nach ein bis drei Tagen abklingt.

Ersetzt der PelviChair Beckenbodengymnastik?
Nein. Beckenbodentraining ist und bleibt nach Cochrane-Empfehlung die Erstmaßnahme. Der PelviChair kann dabei helfen, die richtige Ansteuerung zu finden und die Muskulatur intensiver zu aktivieren – das eigene Üben wird dadurch ergänzt, nicht überflüssig.

Ist die Anwendung verträglich?
Die bisherigen Untersuchungen berichten bei Beachtung der Ausschlusskriterien eine gute Verträglichkeit ohne schwerwiegende Nebenwirkungen [1, 3, 6]. Voraussetzung ist, dass die Ausschlusskriterien sorgfältig beachtet werden – dafür ist der ausführliche Anamnesebogen vor der ersten Sitzung da.

Termin vereinbaren

Sprechen Sie uns gerne bei Ihrem nächsten Besuch an.

Eine Terminvereinbarung ist auch telefonisch unter 0711 / 91 20 60 10 möglich.

Referenzen

[1] Samuels, J. B., Pezzella, A., Berenholz, J., and Alinsod, R., 2019. Safety and Efficacy of a Non‐Invasive High‐Intensity Focused Electromagnetic Field (HIFEM) Device for Treatment of Urinary Incontinence and Enhancement of Quality of Life. Lasers in Surgery and Medicine [online], 51(9), 760–766. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31397008/.

[2] Dumoulin, C., Cacciari, L. P., and Hay-Smith, E. J. C., 2018. Pelvic floor muscle training versus no treatment, or inactive control treatments, for urinary incontinence in women. Cochrane Database of Systematic Reviews [online], 10(10), CD005654. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30288727/.

[3] Lin, K.-L., Chuang, S.-M., Wu, Y.-H., Long, C.-Y., et al., 2025. Effectiveness of High-Intensity Focused Electromagnetic (HIFEM) Therapy in Women with Urinary Incontinence. International Urogynecology Journal [online]. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41051574/.

[4] Hsu, L.-N., Lee, Y.-C., Chen, S.-S., Wu, W.-J., et al., 2024. Effect of High-Intensity Focused Electromagnetic Technology in the Treatment of Female Stress Urinary Incontinence. Biomedicines [online], 12(12). Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39767789/.

[5] Guerette, N., Molden, S., Gopal, M., and Kohli, N., 2023. Randomized Trial of HIFEM Pelvic Floor Stimulation Device Compared with Pelvic Floor Exercises for Treatment of Urinary Incontinence. Journal of Women’s Health Care [online], 12(9), 680. Available from: https://www.longdom.org/open-access/randomized-trial-of-hifem-pelvic-floor-stimulation-device-compared-with-pelvic-floor-exercises-for-treatment-of-urinary-incontinence.pdf.

[6] Tosun, H., Akinsal, E. C., Bas, U., Sonmez, G., Baydilli, N., and Demirci, D., 2025. Evaluating the Efficacy of High-Intensity Focused Electromagnetic (HIFEM) Therapy for Postprostatectomy Incontinence in Men. Therapeutics and Clinical Risk Management [online]. Available from: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.2147/TCRM.S534674.

[7] Azparren, J. and Brandeis, J., 2024. HIFEM Procedure Enhances the Quality of Life in Elderly Men with Post-Prostatectomy Incontinence: A Pilot Study. Medical & Surgical Urology [online], 13, 340. Available from: https://www.longdom.org/open-access/hifem-procedure-enhances-the-quality-of-life-in-elderly-men-with-postprostatectomy-incontinence-a-pilot-study-105398.html

Hinweis
Die vorstehenden Veröffentlichungen beziehen sich auf die HIFEM-Technologie, welche dem Stuhl zugrunde liegt, und wurden überwiegend mit Geräten vom Typ BTL Emsella durchgeführt, nicht spezifisch mit dem PelviChair, den wir in unserer Praxis nutzen. Die Wirksamkeit der Methode ist wissenschaftlich noch nicht abschließend gesichert, und ein individueller Behandlungserfolg kann nicht zugesagt werden. Die Anwendung stellt keine ärztliche Therapie dar und ersetzt keine ärztliche Abklärung Ihrer Beschwerden; sie kann eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Maßnahmen sein.